Im Interview spricht Korbinian “Korbi” Rubenbauer über seinen neuen Job bei cowana Gaming und wie es nach seinem Studium dazu kam.
Seit November ist Korbinian “KorbiBryant” Rubenbauer bei cowana Gaming als “Production and Esports Manager” tätigt. Vorher war der 24-Jährige als im Caster-Team der Szeneseite 99Damage aktiv und hat an der technischen Universität München seinen Master in Physik gemacht. Wir hatten während der UNITED Pro Series Finals in Hamburg die Gelegenheit, mit Korbi über seinen neuen Job zu reden.
1HP: Was machst du denn jetzt bei cowana Gaming?
Korbi: Offiziell ist die Bezeichnung meiner Stelle „Production and Esports Manager“, weil die genaue Jobbeschreibung recht flexibel ist. Das machen wir allgemein so bei cowana, dass man mit der Intension anfängt, dass es in eine bestimmte Richtung gehen soll. Dann schaut man während der ersten Monate, wo man besonders gut ist, wo einen die Chefs sehen und man auch gebraucht wird.
Bei mir ist es aktuell zum Beispiel so, dass ich alle was in Richtung Broadcast geht, übernehme. Seien es die ESEA Matches von unserem CS:GO-Team oder zum Beispiel auch SimRacing-Games oder Ligen, die wir übertragen. Gleichzeitig kümmere ich mich auch ein bisschen um das generelle Management unserer Esport-Teams, also CS:GO, Rainbow, LoL, Valorant, Farming Simulator und WarCraft 3 momentan.
1HP: Wie kam es denn, dass du nach deinem Physik-Studium bei cowana gelandet bist?
Korbi: Es ist einfach Leidenschaft, die da dahintersteckt. Ich habe ja zu Beginn des vergangenen Jahres angefangen, Spiele zu kommentieren und in der Szene aktiv zu sein. Damals habe ich eher aus Spaß mit dem casten angefangen. Daraufhin habe ich mit der Zeit so gutes Feedback bekommen, dass ich das Ganze etwas professioneller angehen wollte, woraufhin sich das eben verselbstständigt hat.
Dann habe ich mir gedacht, dass sobald ich mein Studium beendet habe, ich es mit dem Esport entweder jetzt versuchen kann oder nie. Ich könnte jetzt auch meinen Doktor machen, der aber auch vier Jahre dauert. Dann bin 28 Jahre alt und werde wohl kaum noch den Schritt in den Esport machen. Dann bin ich irgendwann viel zu teuer, da ich eine gute Vergütung haben möchte mit einem Doktortitel und die Passion, die ich aktuell habe, ist vielleicht auch schon weg.
1HP: War es für dich keine Option als Vollzeit-Caster weiterzumachen?
Korbi: Ich caste sehr gerne, doch gerade die Kombination mit dem Management-Faktor hat mich sehr gereizt. Das ist, denke ich, auch etwas, wo ich viel lernen kann und das für mich in Zukunft nützlicher sein wird als nur zu kommentieren.
1HP: Wie sieht denn so dein Alltag bei cowana aus?
Korbi: Jeden Tag anders tatsächlich. Aktuell ist es so, dass die meisten Esport-Titel in der Off-Season sind, was gut für mich ist. Dadurch stehen nicht allzu viele akute Management-Aufgaben an, wodurch ich die ersten Tage damit verbringen konnte, mich einzuarbeiten und vor allem auch einzulesen. Ich hatte zuvor so gut wie nichts mit der Rainbow Six: Siege-Szene zu tun und da habe ich mir erst mal einiges erklären lassen, wie das so funktioniert.
Wenn gerade mal nicht so viel ansteht, suche ich dann natürlich auch Themen raus und überlege mir, wie wir die Firma verbessern können und was wir allgemein besser machen können.
Ansonsten ist es meistens so, dass ich morgens reinkomme und meine Mails checke und dann zum Beispiel sehe, dass wir ein Bootcamp für ein Team machen möchten, was organisiert werden muss und mich darum kümmere. Aber so einen richtigen Alltag gibt es nicht wirklich, da ist eigentlich jeder Tag anders. Es hängt eben viel davon ab, was gerade ansteht und organisiert werden muss.
1HP: Bist du für deinen neuen Job dann auch umgezogen?
Korbi: Ja, ich bin umgezogen. Unser Firmensitz ist in Langenzenn in der Nähe von Fürth, wo ich seit November wohne. Da fahre ich dann eben jeden Morgen zur Arbeit ins Büro und mache zum Beispiel auch aktuell fast alle Casts eben von dem dortigen Studio aus.
1HP: Wie ist es denn jetzt direkt mit den Spielern zu arbeiten, statt sie nur auf dem Bildschirm zu sehen?
Korbi: Das ist echt super. Dieses Gefühl, wirklich dazuzugehören ist einfach deutlich größer, wenn man eben mittendrin steckt. Man lernt jeden persönlich kennen und bekommt auch direkt Feedback und Anerkennung für die Arbeit, die man macht. Unsere CS-Jungs sind zum Beispiel alle sehr nett und haben mich von Beginn gleich so behandelt, als wäre ich schon die ganze Zeit dabei gewesen. Das ist schon sehr cool sich jetzt deutlich mehr als Teil der Szene zu fühlen, was schlichtweg nicht möglich ist, wenn man nur castet und alles aus der Ferne beobachtet.
1HP: Jetzt hast du auch direkt dein erstes LAN-Event in Hamburg erlebt, wie war das denn für dich?
Korbi: Ich fand das Event insgesamt super. Natürlich waren die technischen Probleme ärgerlich, aber das kann am ersten Tag des ersten LAN-Turniers einfach mal passieren. Ansonsten fand ich es super, einfach mal alle Teams und Leute der Szene zu treffen und persönlich kennenzulernen.
Auch einfach mal zu sehen, wie sich so auf LAN spielt oder wie es hinter den Kulissen von so einem Turnier aussieht, fand ich sehr interessant. Auch konnte ich mal unseren Jungs beim trainieren zuschauen, was auch ein Einblick ist, den man normalerweise nicht so bekommt.
1HP: Kannst du dir vorstellen bis ans Ende deiner Tage im Esport zu arbeiten oder wie hast du dir das vorgestellt?
Korbi: Ich denke, aktuell ist noch viel reinschnuppern dabei, da auch sehr viel Neues für mich dabei ist. Bislang habe ich ja eigentlich nur kommentiert und war noch nie richtig im Management involviert.
Ich gebe dem Ganzen jetzt einige Monate Zeit und dann werde ich für mich alles evaluieren und schauen wie es mir gefällt und wo ich vielleicht noch Dinge anders machen muss oder möchte. Nach einem halben Jahr werde ich dann schauen, ob es denn genau das ist, was ich machen möchte.
1HP: Ist cowana so das Beste, was du dir vorstellen kannst oder möchtest du irgendwann zu den ganz großen Teams wie BIG?
Korbi: BIG ist natürlich das Nonplusultra in Deutschland, vor allem was den CS-Bereich angeht. Die Fanbase von BIG ist absolut insane und das ist natürlich nochmal ein ganz anderes Niveau als das, auf dem wir uns momentan noch bewegen. Aber man muss eben auch bedenken, dass wir noch relativ neu in der Szene sind, cowana gibt es seit circa zwei Jahren. Dementsprechend kann jeder Mitarbeiter noch viel beeinflussen, wie sich die Organisation und Firma entwickelt und viele eigene Ideen und Vorstellungen einbringen für die Zukunft.
Das finde ich schon sehr cool und darüber hinaus finde ich, dass unser Standort auch sehr gut ausgestattet ist. Wir haben einen Bootcamp-Raum, ein 5vs5-Setup, ein Studio sowie eine Streaming-Kabine vor Ort. Es gibt also bereits eine gute Infrastruktur, um etwas Großartiges zu machen. Jetzt geht es natürlich darum, aus den gegebenen Strukturen auch coole Sachen umzusetzen.
1HP: cowana ist noch recht jung als Organisation, was ist eure Vision, wo wollt ihr hin?
Korbi: Wir wollen ganz an die Spitze. Wir möchten eine Art Lifestyle-Gaming-Brand aufbauen im Stil der 100Thieves oder des FaZe Clan. Wir wollen erreichen, dass Leute die Organisation cool finden, also nicht nur Fan eines speziellen Teams sind, sondern eben das Gesamtpaket toll finden.
Sportlich wollen wir natürlich auch ganz nach oben. In Rainbow Six: Siege haben wir bereits ein Top-Team unter Vertrag, mit dem wir es noch zum Six Invitational schaffen wollen, was wir auch noch über den anstehenden Closed Qualifier schaffen können. Das so das Äquivalent zum Counter-Strike-Major, also das größte Event in Rainbow Six: Siege. In Counter-Strike gilt es jetzt erstmal an Sprout vorbeizukommen und auf lange Sicht dann Konkurrenz zu BIG sein.
